Energiewechsel

Dithmarschen: Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste fordert Bundesrat auf, CCS in Deutschland zu verbieten

Pressemeldung vom 19. September 2011, 16:07 Uhr

Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, Dieter Harrsen, appelliert
an den Bundesrat, die Verpressung und Lagerung von Kohlendioxid im Untergrund für ganz
Deutschland auszuschließen. Am 23. September soll das Gesetz über die umstrittene Lage-
rung von Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken unter der Erde (Carbon Capture and Storage –
CCS) vom Bundesrat beschlossen werden. Es enthält eine sogenannte Länderklausel, die
den Bundesländern die Möglichkeit einräumt, CCS in bestimmten Gebieten für unzulässig zu
erklären.

Diese Regelung stelle nur die zweitbeste Lösung dar, erklärt Harrsen: „Der sinnvollste Weg
besteht darin, CCS in ganz Deutschland generell zu verbieten. Kein einziges Bundesland
bekennt sich inzwischen noch zu CCS in seinem Gebiet. Also werden alle Länder mit poten-
ziellen Lagerstätten die Länderklausel nutzen, um Ausschlussgebiete festzulegen. Doch in
jedem Einzelfall kann die an CCS interessierte Industrie vor Gericht ziehen, um die CCS-
Erprobung auf diesem Weg zu erzwingen. Bundesrat und Parlament sind jetzt gefordert, die-
se Gefahr von vornherein auszuschließen.“

Die Liste der Argumente gegen die Verpressung von Kohlendioxid im Untergrund ist lang
und wissenschaftlich fundiert: CCS würde zu einem enorm erhöhten Kohleverbrauch führen,
kaum zu stoppende Leckagen sind zu erwarten, und bestenfalls nach 30 Jahren wären alle
potentiellen Lagerstätten bis zum Bersten gefüllt. Als gravierendste Gefahr gilt jedoch die
Vergiftung gewaltiger Grundwasservorräte: Tief unter der Erde verdrängt das Kohlendioxid
extrem salzhaltiges Wasser. Über die Jahre hinweg kann es weiter als 100 Kilometer „wan-
dern“ und jede grundwasserführende Schicht, die im Weg liegt, versalzen.

Das gilt auch für CCS in der 200-Seemeilen-Zone, in der die Länder keinerlei Einfluss haben:
Dort kann die Bundesregierung allein entscheiden, ob sie den Konzernen die Erlaubnis aus-
stellt, das Verfahren zu erproben. Das ruft die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste
auf den Plan: Ihr gehören an der Nordsee liegende Kreise und Kommunen an, die um ihr
Grundwasser und damit um ihre Existenzgrundlage fürchten.

In mehreren Ländern haben ihre Mitglieder nach Tausenden zählende Bürgerinitiativen den
Kampf gegen CCS aufgenommen. Sie waren es, die die Bundestagspolitiker erst so wach-
rüttelten, dass sie die Länderklausel in das CCS-Gesetz hineinformulierten. Dieter Harrsen
ist sich mit den Initiativen über die bessere Alternative einig: „Die erneuerbaren Energien
müssen ausgebaut werden – und zwar schnell und mitsamt der Stromnetze. Dann können
wir viel früher auf Kohlekraftwerke verzichten, als mancher Lobbyist es heute wahrhaben
will.“

Rechtlich wäre ein Komplettverbot kein Problem. „Österreich geht bereits in diese Richtung“,
weiß Dieter Harrsen.

Quelle: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Kreises Dithmarschen

Share on Facebook Share on Google+

 Hinweis