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Kreis Dithmarschen: Dithmarscher Landesmuseum erhält 20-teiligen Zyklus „Bilder aus der Heimat“ der Künstlerin Ulrike Andresen

Pressemeldung vom 26. Juli 2012, 09:43 Uhr

Feierliche Übergabe des Bilderzyklus im Dithmarscher Landesmuseum am 7. August 2012

MELDORF (pid). Seit einiger Zeit hat Museumsleiterin Dr. Jutta Müller versucht, den Zyklus „Bilder aus der Heimat“ für ihr Haus zu gewinnen – im Jubiläumsjahr „140 Jahre Dithmarscher Landesmuseum“ ist es gelungen. „Ohne die Unterstützung der Kulturstiftung des Landes, des Freundeskreises Dithmarscher Landesmuseum e. V. und des Ehemannes und Erben des Nachlasses von Ulrike Andresen, Herrn KD Arlt, wäre dies nicht möglich gewesen“, betont die Museumsleiterin.

Insbesondere KD Arlt ist es zu verdanken, dass die bemerkenswerten Landschaftsdarstellungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können. „KD Arlt hat sich zusammen mit seiner leider viel zu früh verstorbenen Ehefrau Ulrike Andresen seit Jahren nachhaltig in die Dithmarscher Kulturlandschaft eingebracht. Es kann nicht hoch genug angerechnet werden, dass er den Bilderzyklus für das Landesmuseum freigegeben und sogar 10 der 20 Bilder privat gestiftet hat“, so Landrat Dr. Klimant. Die weiteren 10 Exponate werden finanziert durch die Kulturstiftung des Landes, den Freundeskreis Dithmarscher Landesmuseum e. V. und den Kreis Dithmarschen.

Im Rahmen der feierlichen Übergabe am 7. August 2012 ab 19 Uhr werden Frau Anne Nilges für die Kulturabteilung des Landes Schleswig-Holstein, Herr Klaus-Jürgen Horn für den Freundeskreis, Kreispräsident Karsten Peters und Herr KD Arlt zu den Gästen sprechen.

Alle Interessierten sind eingeladen, ins Dithmarscher Landesmuseum zu kommen. „Manch einer mag den Eindruck haben: Das Museum kommt zum 140. Jubiläum gar nicht aus dem Feiern raus. Dieser Zugewinn für unsere Ausstellung ist nach dem Geburtstagsfest wirklich noch einmal ein würdiger Grund zu feiern“, freut sich Dr. Jutta Müller in der Hoffnung auf viele Besucher.

Weitere Informationen zur Künstlerin Ulrike Andresen und ihrem 20-teiligen Zyklus „Bilder aus der Heimat“

Die 1949 in Iserlohn geborene Ulrike Andresen gehörte mehr als zwanzig Jahre lang zu den profiliertesten zeitgenössischen Künstlerinnen in Schleswig-Holstein. Seit Ende der achtziger Jahre war sie zusammen mit ihrem Mann KD Arlt im alten Bahnhof in Reinsbüttel ansässig. Neben ihrem Brotberuf als Kunsterzieherin am Gymnasium in Büsum hat sie dort ein umfangreiches und außerordentlich vielschichtiges künstlerisches Werk erarbeitet, das sie zu einer der interesantesten Figuren der Kunstszene des Landes machte. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zeugen davon; posthume Retrospektiven in der Stadtgalerie Brunsbüttel (2008) und als Kooperation in den Museen Rendsburg, Eutin, Meldorf, Ahrensburg und Bayreuth (2010 – 2013) waren ihrem malerischen Werk einer- und den grafischen Arbeiten andererseits gewidmet. Sie wurden jeweils von aufwändigen, als Werkverzeichnis angelegten Katalogen begleitet, die das umfangreiche Gesamtwerk von Ulrike Andresen dokumentieren und der Nachwelt erschließen.

Der Zyklus „Bilder aus der Heimat“, 1995/ 96, Acryl/ Leinwand, ist für die Sammlung des Dithmarscher Landesmuseums geradezu prädestiniert. Andresen, die zwar nie Landschaftsmalerin im eigentlichen Sinn war, wendet sich hier eindringlich der sehr speziellen Landschaft an der Westküste Schleswig-Holsteins zu. Sie tut das nicht rein abbildend, sondern reduziert die Fotovorlagen, die sie der Dithmarscher Landeszeitung entnimmt, auf das Wesentliche, überträgt sie in der ihr eigenen Schablonentechnik auf Leinwand und ergänzt sie mit kurzen Zitaten aus den begleitenden Zeitungstexten, so dass insgesamt eine humorvoll-kritische Gesamtaussage zur Landschaft an der Westküste und ihren Veränderungen entstanden ist.

In der Kunstsammlung des Dithmarscher Landesmuseums nehmen die Landschaftsdarstellungen besonders breiten Raum ein. Die Bildwürdigkeit der lange als langweilig und eintönig empfundenen Landschaft Dithmarschens setzt erst spät im 19. Jahrhundert, insbesondere durch einheimische Künstler, ein. Lange hält sich eine vor allem abbildende, einseitig die Wiedergabe der Küste favorisierende Malerei, in der entweder noch spätexpressionistische Einflüsse nachwirken oder eine der Fotografie vergleichbare Realitätswiedergabe angestrebt wird. Erst durch den kritischen Realismus der siebziger Jahre und das zunehmende Bewusstsein für die Zerstörung der Umwelt/ Landschaft kommt es zu einer kritischeren Sichtweise auch der Dithmarscher Landschaft.

In diesem Zusammenhang ist der Zyklus von Ulrike Andresen eine kongeniale Ergänzung der bestehenden Sammlung um eine Aussage, die eine eindeutig zeitgenössische künstlerische Sprache spricht. Der Blick auf die Landschaft, die als „Heimat“ tituliert wird, ist liebevoll-ironisch gebrochen; für Ulrike Andresen war Dithmarschen nicht Heimat, gleichzeitig aber doch der Raum, in dem sich ein großer Teil ihres Lebens – privat, beruflich und künstlerisch – abgespielt hat. Mit ihrem Zyklus „Bilder aus der Heimat“ setzt sie der Region in all ihrer Widersprüchlichkeit eine Art künstlerisches Denkmal, das den Blick von außen bewahrt. Es erliegt nicht der weit verbreiteten Heimattümelei, sondern hält ihr eher den Spiegel vor. Der Bilderzyklus ergänzt die bestehende Sammlung um eine ganz neue Facette sorgt gleichzeitig dafür, dass diese Künstlerin, die ungefähr zwanzig Jahre ihres Lebens in Dithmarschen gelebt und gearbeitet hat, durch eine repräsentative Arbeit im Museum der Region vertreten ist.

Quelle: Kreis Dithmarschen

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